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Grenzen der Methode

wasstehtdrin.de wertet Wahlprogramme quantitativ aus: Jede Forderung wird einzeln eingeordnet, dann wird gezählt. Daraus entstehen Anteile, Rangfolgen, Schnittmengen und Orte im Spektrum. Was ein Programm meint, wie wichtig ihm etwas ist und ob es überzeugt, zeigen diese Zahlen nicht. Diese Seite sagt offen, wo die Methode an ihre Grenzen kommt.

Zählen, nicht deuten

Eine qualitative Analyse liest ein Programm als Ganzes: Sie fragt, was einer Partei am Herzen liegt, wie sie argumentiert, was sie weglässt und wie ernst sie es meint. Das leisten wir nicht. Wir zerlegen jedes Programm in einzelne Forderungen, ordnen jede für sich ein und zählen. Der Vorteil: Für jedes Programm gilt dasselbe Verfahren, und jede Zahl lässt sich bis zur Fundstelle im Original zurückverfolgen. Der Preis: Alles, was sich nicht zählen lässt, fehlt.

Jede Forderung zählt gleich

„Die Vermögensteuer wird wieder eingeführt“ zählt so viel wie eine Forderung zu einem kleinen Förderprogramm. Was eine Forderung kostet, wie viele Menschen sie betrifft, was sie bewirkt und ob sie das Kernanliegen einer Partei ist oder ein Nebensatz, steht nicht in den Zahlen.

Lange Programme wiegen mehr

Programme sind verschieden lang und verschieden fein gegliedert; manche haben über 2.000 Forderungen, andere wenige hundert. Anteile gleichen die Länge aus, aber nicht, wie ausführlich ein Programm ein Thema behandelt. Ein Programm, das viele Einzelheiten aufschreibt, bietet mehr Gelegenheit für Übereinstimmung und für Widerspruch als eines, das sich kurz fasst. Auch wo eine Forderung endet und die nächste beginnt, ist eine Entscheidung beim Zerlegen.

Was nicht im Programm steht, zählt nicht

Spricht eine Partei ein Thema nicht an, taucht sie dort nicht auf, auch wenn sie eine klare Meinung dazu hat. Reden, Anträge, Abstimmungen und das Handeln in Regierungen gehen in die Auswertung der Programme nicht ein. Fehlt eine Forderung, heißt das nur: Sie steht nicht in diesem Programm.

Kontext geht verloren

Eine Forderung wird für sich eingeordnet. Begründungen, Tonfall, Abgrenzungen und die Stelle im Programm, ob in der Einleitung oder im Anhang, gehen dabei weitgehend verloren. Dieselben Wörter können Verschiedenes meinen: Ein Programm, das oft „Heimat“ schreibt, kann damit einen Ort meinen und niemanden ausschließen. Zählungen messen Wörter und Aussagen, nicht Haltungen.

Ein Programm ist keine Politik

Ein Wahlprogramm hält fest, was sich eine Partei vornimmt. Ob sie es umsetzen kann, ob es finanzierbar ist und ob die Angaben darin stimmen, prüfen wir nicht. Was eine Koalition vereinbart, steht im Koalitionsvertrag; was sie umsetzt, zeigt erst die Regierungsarbeit. Gleiche Forderungen in zwei Programmen heißen nicht, dass beide sie gemeinsam durchsetzen würden.

Die Einordnung ist eine maschinelle Lesart

Sprachmodelle ordnen die Forderungen ein. Sie machen Fehler, und in Grenzfällen kann man vieles anders sehen. Unsichere Urteile prüft ein zweites Modell nach; bleiben sie offen, sind sie als unsicher gekennzeichnet, beim Vergleich der Programme etwa 16 % der Paare. Von Hand geprüft wird kein Befund. Sprachmodelle lernen aus großen Textmengen und können deren Schieflagen übernehmen. Dasselbe Verfahren für jedes Programm schützt davor, eine Partei anders zu behandeln als eine andere, aber nicht davor, dass das Verfahren selbst etwas einseitig sieht.

Die Kategorien sind gesetzt

Ob zwei Forderungen „gleich“, „ähnlich“ oder „nur dasselbe Thema“ sind, ist eine Abstufung, die wir festgelegt haben; Grenzen zwischen den Stufen sind fließend. Das Spektrum misst zwei Fragen, den Ausgleich und wie der Staat handeln soll. Andere Fragen, etwa zu Bürgerrechten, Europa oder Gesellschaftspolitik, misst es nicht, und eine Links-rechts-Achse gibt es nicht. Die Grafiken sind vergrößert, damit Unterschiede sichtbar werden; ihre Mitte ist keine politische Mitte.

Nicht jedes Programm ist gleich gut erfasst

Ältere Programme liegen teils nur als eingescannte Seiten vor; dort kann die Texterkennung Wörter verfehlen. Die Einordnung früherer Programme ist zum Teil noch ein Entwurf. Bund und Länder haben verschiedene Aufgaben: Wer ein Landesprogramm neben ein Bundesprogramm legt, vergleicht auch Zuständigkeiten. In Vergleichen zählen nur die Parteien, die in das jeweilige Parlament eingezogen sind.

Nicht alles lässt sich von außen nachrechnen

Jeder Befund nennt seine Fundstelle und lässt sich dort prüfen. Arbeitsanweisungen, Gewichte und Auswahlregeln im Einzelnen veröffentlichen wir aber nicht. Wer eine Zahl ganz nachrechnen will, kann das deshalb nicht allein mit dieser Website. Einer unabhängigen Prüfstelle legen wir alles vollständig vor; eine solche Prüfung streben wir an.

Wie man die Zahlen lesen sollte

Wie die Befunde entstehen, beschreibt die Methode. Fehler melden Sie an der Forderung über „Fehler melden“ oder an korrektur@wasstehtdrin.de.

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